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Glück und Zufall sind mit dabei   Leave a comment

Glück und Zufall sind mit dabei

Schwarzwälder-Bote, vom 26.06.2012 20:03 Uhr
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Preisverleihung im Schloss hinten links: Prof. Lohmann, rechts: Juror Hans Fagius, die Preisträger links: Tarnawski, Mitte Zöhrer, rechts Raccuglia Foto: Anton Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Antonie Anton Schramberg. Zur offiziellen Preisverleihung zum Abschluss des vierten Internationalen Orgelwettbewerbs um den Schramberger Eberhard Friedrich Walcker Preis im Balkonzimmer des Schramberger Schlosses fanden sich neben den drei Preisträgern und Vertretern der Jury zahlreiche Mitglieder des Kuratoriums und des Vereins Schramberger Orgelkonzerte sowie Vertreter der Sponsoren und Förderer ein.

Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-glueck-und-zufall-sind-mit-dabei.22eb0915-4d9f-4907-a8d9-d5fed85cdf9b.html

Namens des Vorsitzenden, Ministerialdirektor Herbert Zinell, der sich aufgrund einer beruflichen Verhinderung entschuldigen ließ, begrüßte der Vorsitzende der Volksbank Schwarzwald-Neckar Udo Stefan Schlipf die Gäste. Sein erster Gruß an diesem “Tag der Kultur” galt den drei erfolgreichen Preisträgern.

Diese vierte Preisverleihung, so der Laudator, sei aus zwei Gründen ein Grund zum Feiern: Zum einen sei die Finanzierung in diesem Jahr angesichts der ökonomischen Krisen nicht einfach gewesen, zum anderen sei deutlich geworden, dass in der Gesellschaft oftmals nicht die gleiche Aufmerksamkeit für kulturelle Leistungen aufgebracht werde wie für andere Themenbereiche.

Aber der Wettbewerb mit jungen, internationalen Teilnehmern erreiche eben gerade die Zielgruppe von Organisten, die als hoffnungsvoller Nachwuchs nach wenigen Hochschuljahren ihre Konzertlaufbahn beginnen würden. Durch den Wettbewerb hätten die jungen Nachwuchsorganisten wichtige Erfahrungen an den beiden historischen Orgeln in St. Maria und Hl. Geist machen und damit ihren musikalischen Horizont erweitern können.

Neben dieser Hauptmotivation liege es dem Kuratorium des Vereins Schramberger Orgelkonzerte am Herzen, in der Region durch die Einzigartigkeit der Orgelmusik einen kulturellen Beitrag zu leisten.

Den Worten von Professor Rudolf Meyer, “dass die Stadt Schramberg einen enormen, beispielhaften Wettbewerb an die klingende Kultur leiste”, und von Juror Guy Bovet, dass es zwar viele Wettbewerbe mit der üblichen Literatur an üblichen Orgel gebe, der Schramberger Walcker-Preis aber als einziger mit der deutschen Romantik eine Nische besetze, die man nicht hoch genug einschätzen könne, musste der Laudator nur noch hinzufügen, dass es keinen Wettbewerb gebe, “der im Hinblick auf Ausstattung und Ausrichtung vergleichbar” sei. Er sei der einzige Orgelwettbewerb weltweit, der auf die deutsch-romantische Orgelliteratur bezogen sei und auf historischen Instrumenten gespielt werde. Dafür bedankte sich Schlipf bei allen Sponsoren und Förderern, die den Verein unterstützten.

Diese Hilfe und kulturelle Verbundenheit verdiene Respekt und Bewunderung. Von den Teilnehmern hätte jeder einen Hauptpreis verdient, zumal die Unterschiede oft nur gering seien. Sein Dank ging an alle Teilnehmer für ihre künstlerische Leistung und an die Juroren für ihr außergewöhnliches Engagement.

Ebenso dankte er den Verantwortlichen der Schramberger Orgelkonzerte, dem Orgelbistro, der Presse und den Kirchengemeinden für die Zurverfügungstellung der Orgeln. Auch Professor Lohmann zeigte sich sehr dankbar für das Schramberger Engagement. Er wies mit dem noch anwesenden Juroren Hans Fagius hin auf die freundschaftliche Atmosphäre und das gute Miteinander.

Die Juroren hätten nach technischen und künstlerischen Kriterien beurteilt, wobei die Akustik in St. Maria gerade für junge Leute mit weniger Erfahrung nicht einfach zu bewältigen gewesen sei. Im Gegensatz zur französischen Romantik stellten die deutschen Romantiker eine größere Herausforderung dar, da sie international zu den “Top-Adressen” gehörten. Es gelte, den deutschen Komponisten wieder zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Rezeption deutscher romantischer Orgelmusik sei ein Gebot der Nachhaltigkeit.

Zum diesjährigen Wettbewerb berichtete er, dass sich nach knapp 19 Anmeldungen 13 Kandidaten aus insgesamt sieben Ländern, darunter China und Korea, eingefunden hätten. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren sei das Niveau anspruchsvoller geworden. Oft seien beim Wettbewerb aber Glück und Zufall dabei. Schließlich überreichte Lohmann die Preise in folgender Reihenfolge: 1. Preis: Severin Zöhrer aus Deutschland, 2. Preis: Jaroslaw Tarnawski, Polen und 3. Preis: Giuseppe Raccuglia aus Italien. Die Preise waren mit 5000 , 3000 und 2000 Euro dotiert. Oberbürgermeister Thomas Herzog beglückwünschte die Preisträger und gab ihnen die Bitte auf den Weg, den Ruf der Stadt Schramberg hinauszutragen. Die Stadt sei stolz, diesen Wettbewerb zu haben.

Beim Sektempfang fanden neben der vielseitigen Glückwünschen noch viele Gespräche statt, bevor die Preisträger in St. Maria und Hl. Geist ihr Preisträgerkonzert präsentierten.

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Interpretation nicht gegen die Orgel möglich   Leave a comment

Schramberg Interpretation nicht gegen die Orgel möglich

Schwarzwälder-Bote, vom 22.06.2012 20:04 Uhr

Die Walcker-Preisträger (von links nach rechts) Jaroslaw Tarnawski, Giuseppe Raccuglia und Severin Zöhrer Foto: Schäfer Foto: Schwarzwälder-Bote

Schramberg. Der Orgelwettbewerb in Schramberg steuert auf seinen Höhepunkt zu. Heute stellt der Verein “Schramberger Orgelkonzerte” die drei Preisträger vor, die die Juroren von ihrer Spielweise und Interpretation überzeugen konnten und das Finale erreichten.Im Finalkonzert gestern in St. Maria wurde die Rangordnung der Preisträger ermittelt, jedoch lag das endgültige Ergebnis bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Am Sonntag wird den drei Preisträgern um 18.30 Uhr im Schloss der Eberhard-Friedrich-Walcker-Preis verliehen. Im Anschluss daran gibt der Träger des ersten Preises ein Konzert, das gleichzeitig ein Jubiläum für den Verein darstellt, das 100. Orgelkonzert in der Reihe der “Schramberger Orgelkonzerte”. Das Konzert beginnt am Sonntag um 20 Uhr in St. Maria und wird in Hl. Geist fortgesetzt.

Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert, der zweite mit 3000 Euro und der dritte mit 2000 Euro.

Die drei Preisträger haben sich ein halbes Jahr lang intensiv auf diesen Wettbewerb vorbereitet. Giuseppe Raccuglia, 28, stammt aus Palermo, Sizilien. Er hat in Italien Orgel studiert und setzte sein Studium an der Musikhochschule in Freiburg fort, wo er vor zwei Wochen seinen Master abgeschlossen. Jetzt studiert er dort Kirchenmusik. Neben seinem Studium ist er als Chorleiter in Buchholz und Grenzach-Wyhlen tätig und wirkt als Organist in Badenweiler und Müllheim, wo er auf einer romantischen Orgel spielen kann.

Für ihn ist der Wettbewerb in Schramberg etwas Besonderes, weil sich hier für ihn die Gelegenheit bietet, die romantische Orgelliteratur auf einem historischen Instrument zu spielen und zu hören. Zwar hat er in Konzerten viele Stücke von deutschen Komponisten (Brahms, Schumann, Reger) gespielt, aber bisher habe er nicht den richtigen Klang dazu kennengelernt.

Er schwärmt einerseits von der wunderschönen Klangfarbe der Walcker-Orgel, die aber auch etwas unbequem sei wegen der etwas kleinen Pedale, andererseits aber auch von der Späth-Orgel in Hl. Geist, die für ihn eine Überraschung war, weil sie bei allen gezogenen Registern “laut klingt, aber nicht aggressiv”.

Seinen letzten Wettbewerb hatte er 2011 in Trier. Dort wurde er mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt Giuseppe Raccuglia noch den Publikumspreis.

Jaroslaw Tarnawski, 31 Jahre, kommt aus Polen und studiert mit seiner Frau Orgel in Lübeck. Dort absolviert er ein Aufbaustudium, ist also für ein paar Tage in Lübeck und verbringt den Rest der Woche in Polen, wo er an der Musikhochschule in Posen unterrichtet.

Er ist glücklich darüber, dass er die Literatur der Deutschen Romantik auf einem historischen Instrument wie der Walcker-Orgel spielen konnte. In St. Maria hatte er mit der Akustik zu kämpfen. “Dadurch war ich gezwungen, besser zu artikulieren.” Der Wettbewerb stellte für ihn eine gute Gelegenheit dar, um das umfangreiche Programm für den Wettbewerb mit seinem Professor in Lübeck einstudieren zu können. Er hat schon viel Erfahrung bei verschiedenen Wettbewerben sammeln können.

Im vergangenen Jahr holte er den zweiten Preis beim Kurt-Boßler-Wettbewerb in Heidelberg. Sein Schwerpunkt liegt auf der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts. Augenblicklich schreibt er an seiner Promotionsarbeit, auf die er sich nach diesem Wettbewerb voll und ganz konzentrieren möchte.

Severin Zöhrer, 26, aus Oberried, absolviert momentan den Masterstudiengang Kirchenmusik bei Professor Lohmann in Stuttgart und befindet sich im vorletzten Semester. Sein Studium begann er in Mainz, wechselte dann nach zwei Semestern nach Stuttgart. Bisher hat er mit Alter Musik an Wettbewerben in Brixen und in Lausanne teilgenommen. Für ihn ist der Wettbewerb in Schramberg so etwas wie eine persönliche Zielsetzung, um als Musiker voranzukommen, ein Punkt auf den er sich ein halbes Jahr lang konzentriert hat.

Die Walcker-Orgel bedeutet für ihn eine gewisse Umstellung, denn er habe es mit einer Orgel mit Charakter zu tun, die eine gewisse Spielweise vorgebe. “Da kann man nicht gegen die Orgel spielen.” Die Komponisten Brahms, Liszt und Schumann sind ihm am nächsten.

Er möchte Kirchenmusiker werden und wirkt bereits als Organist in Stuttgart Unter-/Obertürkheim an der Kirche St. Johannes, wo er ebenfalls auf einer Kegelladenorgel spielt, die einen ähnlichen Charakter wie die Walcker-Orgel hat.

Begeistert äußern sich alle drei über die menschliche Atmosphäre, die während des Wettbewerbs unter den Kandidaten entstanden sei und an der die nette Betreuung durch Gemeindemitglieder maßgeblich beteiligt gewesen sei. “Es gab eine familiäre Atmosphäre, bei der man sich wie zu Hause fühlte.”

 

Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-interpretation-nicht-gegen-die-orgel-moeglich.20a5ce6b-7439-4665-8c93-1f2f87b53052.html